Therapieformen

Das grundlegende Ziel der Diabetesbehandlung ist es, die primäre Störung des Kohlen­hydrat­stoffwechsels möglichst voll­ständig auszugleichen. Dafür kann und muss jeder Betroffene selbst einen entscheidenden Beitrag leisten.
 
Früher musste sich der Patient an die Therapie anpassen, heute ist es umgekehrt. Die Be­hand­lung wird genau auf den Be­troffenen und seinen Lebensstil zugeschnitten.

    Bei Typ-2-Diabetikern stehen nichtmedikamentöse Maß­nahm­en wie Diät, vermehrte körperliche Beweg­ung und gegebenenfalls Gewichts­re­duktion an erster Stelle der Behandlung. In einigen Fällen gelingt bereits mit diesen Basismaßnahmen eine Nor­mal­isierung des Blutzuckers. Führen diese Maßnahmen zu keinem ausreichenden Erfolg, werden in der Regel orale Anti­diabetika eingesetzt. Meist wird die Behandlung mit einem einzelnen Wirkstoff begonnen.
     
    Wird damit keine befriedigende Einstellung des Blutzuckers er­zielt, sind auch Kombi­na­tionen von verschiedenen Wirkstoffen möglich. Ist mit oralen Anti­diabetika bei üblichen Do­sier­ung­en keine ausreichend gute Blut­zucker­einstellung zu erreichen, kommt auch beim Typ-2-Diabetiker Insulin zum Einsatz.
     
    Bei der Behandlung mit Insulin wird heute versucht, der Insulin­ausschüttung eines Gesunden so nahe wie möglich zu kommen.

    Man unterscheidet zwischen folgenden Therapieformen:




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    Mahlzeitenbezogene Insulintherapie


    Im Rahmen dieser Therapie wird lediglich zu den Mahlzeiten Normalinsulin oder ein kurz­wirk­sames Insulinanalogon ge­spritzt. Diese Methode eignet sich sehr gut für Typ-2-Diabetiker, deren Körper noch ausreichend basales Insulin (für den Fasten­zu­stand) produziert. Die Insulin­dosis kann entweder am Blut­zucker­wert vor dem Essen und der geplanten Mahl­zeit ausgerichtet werden oder es ist auch möglich zu den jeweiligen Mahlzeiten eine fixe, vom Arzt festgesetzte Dosis zu injizieren. Dabei muss sich der Be­troffene weder in der Ernährung noch im Tagesablauf einschränken und gewinnt dadurch wieder an Lebensqualität.

     

    Konventionelle Insulintherapie (CT)

     

     

    Bei der Konventionellen Therapie spritzt sich der Diabetiker zweimal täglich, am Morgen und am Abend, ein Mischinsulin. Mit einem Mischinsulin ist auch die dreimalige Gabe, zum Frühstück, zum Mittag- und Abendessen möglich.

    Die konventionelle Therapie ist vor allem für Patienten geeignet, die über einen geregelten Tagesablauf verfügen und regelmäßig auf die Insulinmenge abgestimmte Mahlzeiten zu sich nehmen.

      Dies ist wichtig, da die Kombination aus kurz- und langwirksamen Insulin sowie die tägliche Insulindosis fix ist und zur Vermeidung von Hypoglykämien auch die Nahrungszufuhr genau geregelt sein sollte.

      Der wesentliche Vorteil einer konventionellen Therapie liegt in ihrem geringen Aufwand, da man nur zwei- oder dreimal täglich Insulin spritzen muss.

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      Intensivierte Insulintherapie (ICT)

       

       

      Intensivierte Insulintherapie (ICT), Funktionelle Insulintherapie (FIT), Basis-Bolus-Therapie (BBT) - viele Bezeichnungen für eine moderne Art der Insulintherapie, bei der durch mehrere Insulininjektionen und Blutzuckerkontrollen pro Tag versucht wird, die Stoffwechselsituation von gesunden Menschen möglichst gut nachzuahmen. Die Essenszeiten und Mengen können frei bestimmt werden.

        Das Prinzip dieser Therapie liegt in der getrennten Applikation eines mittel- bis langwirkenden Basisinsulins als Grundlage (morgens und abends, bzw. morgens, mittags und spät abends), um über 24 Stunden den Grundbedarf (Fasteninsulinbedarf) abzudecken. Zusätzlich wird zur Abdeckung der zugeführten Nahrung bzw. zur Korrektur erhöhter Blutzuckerwerte Normalinsulin oder ein schnellwirksames Insulinanalogon als Bolusinsulin appliziert. Hierbei ist auf den Spritz-Ess-Abstand zwischen der Injektion und der Mahlzeit zu achten, der je nach Insulinart zwischen 0 (Insulinanalogon) und 30 Minuten (Normalinsulin) liegt.

        Die ICT ist für alle Typ-1-Diabetiker, motivierte Typ-2-Diabetiker und Schwangere geeignet. Mit ihr ist eine gute Stoffwechseleinstellung möglich, d.h. Hyperglykämien und Hypoglykämien können weitgehend vermieden werden. Die Anpassung an individuelle Lebensgewohnheiten wird somit ermöglicht. Zur Durchführung einer FIT- bzw. Basis-Bolus Therapie ist eine intensive Schulung notwendig und der Betroffene muss bereit sein, seinen Blutzuckerwert 4 - 7 mal  zu messen und zu protokollieren und sich täglich 1 - 3 mal Verzögerungsinsulin für die Basis sowie zusätzlich Essens- und Korrekturinsulin  zu spritzen.


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        Insulinpumpentherapie (CSII)

         

         

        Die Insulinpumpentherapie wird auch als CSII bezeichnet, was soviel wie Continuierliche Subkutane Insulin-Infusion bedeutet. Diabetiker sind mit einer Insulinpumpe oft noch viel besser einzustellen, da das benötigte Insulin (Normalinsulin oder schnell wirksame Insulinanaloga) in kleinsten vorprogrammierbaren Mengen rund um die Uhr als Basalinsulin dem Körper zugeführt wird.

          Damit wird die physiologische Funktion einer gesunden Bauchspeicheldrüse nachgeahmt und der Blutzuckerspiegel im Fastenzustand und zwischen den Mahlzeiten konstant gehalten. Je nach Bedarf des Diabetikers können Insulinmengen individuell programmiert werden. Das zu den Mahlzeiten benötigte Insulin wird einfach und präzise über Knopfdruck abgerufen.

          Damit wird der Diabetiker absolut flexibel: Sport betreiben, länger schlafen und viele Annehmlichkeiten des Lebens genießen funktionieren bei richtiger Schulung und Anwendung problemlos. Aus medizinischer Sicht sind vor allem unkontrollierbare Blutzuckerschwankungen, Dawn-Phänomen, Insulinresistenzen, Hypoglykämie-Wahrnehmungsstörungen, häufige Hypoglykämien, schmerzhafte diabetische Neuropathie, Sportausübung und die Schwangerschaft die wichtigsten Indikationen für eine Insulinpumpe.